Reise an die Pazifikküste: mein Projekt kann beginnen.

Am Dienstagmorgen standen wir in Cali um 7Uhr auf und aßen unser überteuertes Frühstück (Jogurt mit Müsli und Obst), welches wir am Vortag im Supermarkt gekauft hatten. Die Preise in Cali waren überhaupt nicht zu vergleichen mit den Preisen in Bogotá oder Pereira.

Auf dem Weg nach Buenaventura

Auf dem Weg von Cali in die Hafenstadt Buenaventura.

Eine Stunde später wurden wir dann von Pilars Bruder abgeholt, der uns zur Haltestelle brachte wo der Bus nach Buenaventura losfuhr. Die Busfahrt sollte eigentlich ca. 3 Stunden dauern, aber da dies der einzige Weg zum größten Hafens Kolumbiens war, über die Berge auf einer nicht gerade guten Straße, dauerte die Fahrt 2 Stunden länger als geplant. Wir standen ungefähr 4 Mal, zwischen LKWs und Transportern, im Stau. 5 Stunden später, nach unzähligen Keksen, Guayaba Teigtaschen und Mangos, uns auf dem weg verkauft wurden, kamen wir an der Küste Buenaventuras an. Auf den Ersten Blick war Buenaventura doch nicht so hässlich wie uns die Hafenstadt verkauft wurde. Wir fanden Buenaventuras sogar schöner und auf jeden Fall war die Temperatur angenehmer als die Hauptstadt Bogotá. Die Luft war schwül und die Straßen waren voll mit Müll. An jeder Ecke war irgendein Stand der Kleinigkeiten zum Essen oder Trinken verkaufte. Der Lärm der Motorräder und das Geschrei der Verkäufer war nicht zu überhören. Trotz dessen hatten wir ein tropisches und sommerliche Gefühl, welches wir in den anderen Städten Kolumbiens so sehr vermisst hatten.

Wir kauften Tickets fürs Boot (Boot Gesellschaft: Bahia Mar) Richtung La Bocana, die Afro-kolumbianische Gemeinschaft in der wir die nächsten 6 Monate leben und arbeiten würden. Wir hatten noch eine Stunde bis das Boot abfuhr. Also aßen wir noch schnell Mittag (wie immer gab es reichlich Essen für nur wenig Geld!) und kauften das nötigste im Supermarkt ein.

Pilar hatte uns währen der Busfahrt über mehrere Dinge die wir für unser Abenteuer in La Bocana beachten sollten aufgeklärt. Erstens: niemals das Wasser dort trinken und unbedingt eigenes Wasser in Buenaventura kaufen, zweitens unbedingt Obst kaufen, da es dieses in La Bocana kaum gibt, und drittens: das beste Mückenspray (Nopikex) in doppelter Ration mitnehmen, damit wir uns nicht direkt am ersten Tag irgendeine Tropische Krankheit einholten

Ankunft in La Bocana, das Fischerdörfchen neben Buenaventura

Ankunft in La Bocana, das Fischerdörfchen neben Buenaventura

Der Weg nach La Bocana mit dem Boot dauerte ca. eine halbe Stunde. Das kleine Dörfchen direkt am Meer bestand, im Grunde genommen, nur aus einer großen Straße zwischen dem Pazifik Strand und dem Dschungel der teils aus Mangroven und teils aus dichter Vegetation, Bäumen, bunten Schmetterlingen und zwitschernden Vögeln bestand. Die Straße war wie der Strand aus schwarzem Sand und was uns direkt bei der Ankunft schockierte war das Ausmaß an Plastik was wir am Strand vorfanden. Als wir am zentriert gelegenen Steg des Dorfes, mit unserem Holzbötchen, ankamen, warteten schon 3 Einwohner auf uns um uns mit dem Gepäck zu helfen. Als erstes überraschte uns das es in diesem Dorf nicht nur Holz und Blech Hütten an beiden Seiten der großen Straße gab, sondern tatsächlich Hotels und ein paar Restaurants. Diese waren alle ziemlich heruntergekommen, aber immerhin!

Wir liefen zum Hotel durch die einzige Straße in La Bocana.

Wir liefen zum Hotel durch die einzige Straße in La Bocana.

Wir liefen also durch die Straße mit zwei Afrokolumbianern die unser Gepäck trugen und kamen uns vor wie die Attraktion des Jahrhunderts. Pilar kannte schon die meisten Bewohner, sie grüßte jeden der vor seiner Hütte saß oder uns Barfuß aus der Sandstraße entgegenkam. Eine Regel an die wir uns in den kommenden Wochen schnell gewöhnen würden war immer nett jeden grüßen, so wie es eben in einem Dorf so üblich ist. Gegrüßt wird entweder mit Guten Morgen (Buenos Dias), Guten Nachmittag (Buenas Tardes) oder Guten Abend (Buenas noches) und ganz oft wird das „guten“ auch einfach weggelassen, also zum Beispiel wird dann nur Tardes oder nur Noches gesagt.

Blick aufs Meer von der Hauptstraße aus in La Bocana. Siehe die Wilden Pferde!

Blick aufs Meer von der Hauptstraße aus in La Bocana. Siehe die Wilden Pferde!

Wir wohnten in einem Hotel (Hotel Camelia), vierstöckig mit Blick aufs Meer. Alles war ziemlich spartanisch eingerichtet aber doch gemütlich. Im Eingang stand ein Plastik-tisch mit vier Stühlen drum rum (natürlich alles schon sehr verfärbt). Es gab auch eine Empfangs-theke, aber hinter dieser saß wirklich nie jemand. Die Besitzerin vom Hotel, welche in Cali wohnte, war nur in der Urlaubshauptsaison in La Bocana und den Rest der Zeit war ein Fischer des Dorfes, namens Cristobal, für das putzen und die Schlüssel Übergabe zuständig. Dann gab es noch eine kleine Küche die auch sehr spartanisch eingerichtet war, aber doch das nötigste besaß. Der Kühlschrank funktionierte leider nicht und roch auch nicht sehr appetitlich. Cristobal, hatte vorgesorgt und uns eine Tiefkühltruhe parat gestellt für unsere gekauften Jogurts und unser Obst. Das Konzept war ganz einfach, die Tiefkühltruhe wurde immer eingesteckt, wenn es anfing warm zu werden und wieder ausgesteckt, wenn es anfing zu frieren. Ob das nun so gut für unsere Lebensmittel war oder nicht, war uns an dem Abend egal, wir wollten nur in unser Zimmer, unser Backpacks abladen und zum Strand und ins Wasser.

Ausblick vom Hotel Balkon auf den Strand La Bocanas

Ausblick vom Hotel Balkon auf den Strand La Bocanas

Wir liefen zum Strand und ich war noch enttäuschter als ich es schon vermutet hatte. Natürlich war ich gewarnt wurden das der Pazifik viel Plastik anschwämmt, aber vom nahen war es noch heftiger. Es war so dreckig das wir nicht ins Wasser mochten. Ich überlegte ob ich das die nächsten Monate überstehen würde und nahm mir vor, dringend etwas dran zu ändern.

Mit Enier, Pilar und André unterwegs am Strand La Bocanas

Der Strand von La Bocana

Etwas später gingen wir in Pilars Stamm-Restaurant. Eigentlich gab es nur Drei Restaurants im Dorf. und dieses Restaurant, direkt neben dem Zentralen Steg, hatte Pilar den besten Preis gemacht um uns die nächsten Monate zu bekochen. Die Köchin bereitete uns frittierten Fisch mit Reis und Bananen zu und wir genossen das Gefühl endlich angekommen zu sein. Am selben Abend lernten wir noch Enier kennen, Pilars und mein Assistent, der uns die nächsten Monate, während meines Forschungsprojektes, begleiten würde und den Kontakt zu den Fischern vereinfachen würde. Wir verabredeten uns am nächsten Tag um 9Uhr unten am Strand um unter den Palmen auf die Fischer zu warten. Ich konnte es kaum erwarten mein Projekt Garnelenfischerei endlich anzufangen!

Unterwegs am Strand La Bocanas mit Enier, André und Pilar

Unterwegs am Strand La Bocanas mit Enier, André und Pilar

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