Die ersten Tage im Fischerdorf

Der verlorene Strand La Bocana's nach einer Regnerischen Nacht

Der verlorene Strand La Bocana’s nach einer Regnerischen Nacht

Der erste Tag in La Bocana brach an und pünktlich um 8 Uhr liefen wir vom Hotel Camelia zu unserem Restaurant. Wieder begrüßten wir jeden auf der Straße und fingen tatsächlich an, uns wohl zu fühlen. Der Schock über den Müll-Strand vom Vorabend war verflogen, wir freuten uns über die Temperaturen und darüber das wir die erste Nacht in unserem Mücken-bunker gut überstanden hatten. André hatte nämlich am Abend zuvor noch das Bett und alle Fenster mit Mücken-Netzen bespannt.

Frühstück in La Bocana

Frühstück in La Bocana

Das Frühstück bestand aus Huevos Pericos (Rührei mit Tomate und Zwiebeln) und Pandebono (Brötchen aus Yucamehl und Käse gebacken), beides typisch Kolumbianisch. Wir stellten aber bald fest das dieses einfach nur Pilars Lieblings-frühstück war und eigentlich nur für uns „Touristen“ gemacht wurde. Die Afro-Kolumbianer aus La Bocana aßen im Grunde genommen, morgens, mittags und abends, Fisch mit Reis und Patacon (frittierte Bananen). Um 9 Uhr trafen wir uns mit Enier. Enier ist ein 25 Jähriger Afro-Kolumbianer aus La Bocana, der mit den Fischern aufgewachsen ist und nun für Pilar, während sie in anderen Fischerdörfern ist, die wissenschaftlichen Daten sammelt. Nebenbei war es Pilar’s Plan das Enier uns begleiten und helfen sollte den Kontakt mit den Fischern aufzustellen.

Warten auf die Fischer

Warten auf die Fischer

Wir saßen also zu viert an einem Holztisch, unter einer der Riesen Palmen die zwischen Strand und den Holzhäusern der Einwohner stand. Um uns rum lagen lauter kaputte Holzbänke und Kokosnüsse. Der schwarze Sand war ziemlich voll mit angeschwemmtem Plastik und Flaschen. Eigentlich war dies der Platz an dem Pilar und Enier bisher immer auf die Fischer warteten um ihre Fisch-proben zu nehmen. Doch statt zu warten, überlegten wir, was wir mit dem Vormittag anfangen sollten. Es hatte die ganze Nacht geregnet und die normalen Fischer waren nicht rausgefahren. Doch ich hatte Glück, die Garnelenfischer waren wohl rausgefahren, nur diese kamen immer erst ab 2 Uhr mittags am Strand an. Als Enier uns das erzählte, freute ich mich das ich immer erst ab mittags arbeiten würde, denn früh aufstehen war noch nie meine Stärke gewesen :D. Trotzdem wollte ich natürlich, die ersten Tage, Pilar und Enier auch bei den morgendlichen Fischfängen begleiten. Doch zu morgendlichen Fischfängen kam es erstmal nicht, das Wetter sollte sich so schnell noch nicht ändern.

Auf dem Weg vom Zentrum La Bocana's zum "sauberen" Pianguita Strand

Auf dem Weg vom Zentrum La Bocana’s zum „sauberen“ Pianguita Strand

Wir beschlossen also zum Pianguita Strand zu laufen, ein Strand der anscheinend in einem besseren Zustand war, was Plastik und Müll betraf, und nur 20 Minuten zu Fuß entfernt, von unserem Hotel, war. Wir packten also unsere Badesachen ein und liefen die lange Straße des Bocana Dörfchens, bis zum Ende. Und jede paar Meter wurde der Strand tatsächlich sauberer und sauberer. Am Ende der Langen Straße, nach ca. 15 Minuten, kamen wir an einen kleinen Berg an, den wir überqueren mussten. Auf dem Berg waren weitere Holzhütten und in einer der Holzhütten bot uns ein Einwohner frisches Kokoswasser an.

Willkommen in Pianguita. Vor Strandabschnitt/Viertel in La Bocana steht ein ähnliches Schild.

Willkommen in Pianguita. Vor Strandabschnitt/Viertel in La Bocana steht ein ähnliches Schild.

Wir nahmen uns das Kokoswasser für den Rückweg vor und liefen weiter bis zum Pianguita Strand. Endlich konnten wir schwimmen gehen. Ich genoss das Meer, welches zwar nicht allzu Sauber war aber immerhin besser als direkt vor unserem Hotel und ich konnte es kaum erwarten die Zeit in La Bocana zu verbringen und mehr über dieses interessante Dorf und dessen Einwohner zu erfahren.

Frisches Kokoswasser auf dem Rückweg vom Baden am Pianguita-Strand

Frisches Kokoswasser auf dem Rückweg vom Baden am Pianguita-Strand

Mittags aßen wir wieder im selben Restaurant. Es gab Fisch mit Reis, Salat und Patacon. Der Fisch war unglaublich lecker, wie frisch gefangener fisch halt schmeckt. Am Pazifik wird der Fisch in 2 formen serviert, entweder Paniert oder „Sudado“, das heißt in einer gelben Kokosnuss-Koriander Soße gekocht.

Am Nachmittag liefen wir dann in Richtung der Fischer-Häuschen, die im „Shanghay“ viertel von La Bocana, gelegen waren. Ja, es gab tatsächlich Viertel in dem kleinen Dorf. Im Grunde genommen, waren die Viertel nur kurze Strand abschnitte mit 10 bis 20 aneinander gereihten Holzhäuschen. Und warum das Viertel Shanghay hieß, wurde uns von Enier erklärt. Wir hatten sowieso schon festgestellt, dass die meisten Städte, Dörfer oder Viertel in Kolumbien dieselben Namen von anderen Orten der Welt hatten J. So gab es zum Beispiel in der Kaffeeanbauregion, ein Belin (von Berlin abgeleitet) und ein Filandia (von Finland abgeleitet). Und hier in La Bocana gab es nun mal ein Shanghay und ein Mexico. Shanghay hieß der Geschichte von Enier nach Shanghay, weil die Afro-Kolumbianer sich hier früher mit Messern bekämpften.

Shanghay in La Bocana. Hier kommen Nachmittags die Garnelenfischer an.

Shanghay in La Bocana. Hier kommen Nachmittags die Garnelenfischer an.

Und Mexico war ein Abschnitt zwischen dem Centrum La Bocana’s und dem Pianguita Strand, in welchem gerne geklaut wurde. Auf dem „Mexico“ Abschnitt, gab es nämlich so gut wie keine Holzhütten und man war auf einer Seite vom Strand und auf der anderen Seite vom dichten Dschungel umgeben.

Der Mexico Abschnitt vom Zentrum La Bocana's bis Pianguita

Der Mexico Abschnitt vom Zentrum La Bocana’s bis Pianguita

Als wir vor Eniers Häuschen in Shanghay saßen, erzählte er uns das die Garnelenfischer mit ihren kleinen Holzbooten, früh morgens ab 4 Uhr raus fuhren und ab 2 Uhr mittags an diesem Strand zurückkamen so dass wir die Chance hatten ein paar Garnelen proben zu bekommen zum bemessen. Direkt Vorort sortierten die Fischer alles aus was nicht gebraucht wurde und schütteten es zurück in Meer, unterdessen wurden die Garnelen von einigen Bewohnern und Kindern geköpft zum späteren Verkauf in Buenaventura. Und wenn im Beifang mal Krebse waren (Jaibas genannt und sehr lecker!) wurden diese direkt von den Frauen gekocht und von der ganzen Familie verzehrt.

Zubereitung der Jaibas von einer Fischerfamilie

Zubereitung der Jaibas von einer Fischerfamilie

Die weiteren 3 -Tage bis zum Wochenende liefen ähnlich ab: Wir standen auf, aßen Frühstück, warteten auf die Fischer, aßen Mittag, warteten auf Fischer und wenn Nachmittags die Garnelenfischer reinkamen nahmen wir 2- bis 3-mal etwas vom Fang ab. Die Probe (das was wir vom Fang abgenommen hatten) zählten, wogen und missten wir. Pilar und Enier konzentrierten sich auf die Fische und ich auf die Garnelen und dessen Beifang, beziehungsweise, dass was zurück ins Meer geschmissen wurde.

Die erste Probe der Garnelenfischer, sortiert nach Fischen und Garnelen, fertig zum Messen.

Die erste Probe der Garnelenfischer, sortiert nach Fischen und Garnelen, fertig zum Messen.Familie verzehrt.

Meine Arbeit in La Bocana. Messen, Wiegen und Bestimmung weiterer Charakteristiken der Garnelen.

Meine Arbeit in La Bocana. Messen, Wiegen und Bestimmung weiterer Charakteristiken der Garnelen.

Ich gewöhnte mir an, jeden Morgen den Plastik-Strand entlang zu joggen bis ich am Ende, wo der Müll weniger wurde, ins Wasser Sprung. Im Grunde genommen war das Leben und die Arbeit sehr entspannt und machte tatsächlich Spaß. André verstand sich gut mit den Fischern und wir gewöhnten uns an das „simple“ Leben, entfernt vom Großstadt-Tummel. Wir genossen die Entspannte Art der Afro-Kolumbianer und freuten uns täglich auf das leckere essen. Doch die ersten Tage täuschten und schon bald holten wir uns die typischen Tropen-Reise-Krankheiten ein. Mehr dazu in meinen nächsten Berichten.

Der Strand La Bocana's voll mit Müll

Der Strand La Bocana’s voll mit Müll

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