Bocana & San Cipriano

Anfang Dezember waren wir wieder unterwegs in die Bocana. Wir fuhren wie üblich aus Cali mit dem Bus ca. 3 Stunden die kurvige Strecke über die Berge bis hin zur Küsten- und Hafen- Stadt Buenaventura. Für 21.000 Pesos (ca. 7€) war das immer noch die beste Option und auch die einfachste. Die Busse fuhren von der Terminal Cali im Stundentakt und hielten auf der Strecke immer ein paar Mal an, damit man sich etwas zu Essen kaufen oder mal kurz die Beine strecken konnte. Doch dieses Mal nahmen wir uns fest vor nichts auf dem Weg zu kaufen. Ich hatte Angst davor schon wieder krank zu werden und deswegen wollten wir so viel wie möglich selber zubereiten und uns nicht mehr von den geschnittenen Mangos und Papaya verlocken lassen. In Buenaventura angekommen, kauften wir Lebensmittel für eine Woche im Supermarkt ein und fuhren mit der üblichen „lancha“ (Bötchen auf Kolumbianisch) in die Bocana.

Der Strand in der Bocana

Der Strand in der Bocana

Die Pferde der Bocana

Die üblichen Weißen Pferde am Strand 😀

Angekommen in unserem Dorf freute ich mich über die Sonne, den Sand unter den Füßen und die Meeresbriese. Es konnte einfach nichts schiefgehen und wenn wir aufpassen würden dann würden wir auch nicht mehr so schnell krank werden. Ich begrüßte glücklich alle Bewohner der Bocana die vor ihren Hütten saßen, welche uns mittlerweile schon kannten und sich freuten uns wiederzusehen. Als wir dann abends bei Yolanda (unser Stammrestaurant in der Bocana) den frisch gefangenen Fisch aßen, waren alle Ängste vor Parasiten und Krankheiten weg. Yolanda machte einfach den besten Fisch weit und breit und besser als bei ihr hatten wir in ganz Kolumbien noch nicht gegessen.

Ausblick von unserer Dachterasse in der Bocana

Ausblick von unserer Dachterrasse aufs Meer, La Bocana.

Blick über die Bocana

Blick über die Bocana

La Bocana

La Bocana

2 Wochen arbeiteten wir wie verrückt. Ich musste ja endlich wieder Garnelen und Beifang für mein Forschungsprojekt messen. Ich ahnte das die Fischer wohl an Weihnachten und Neujahr nicht rausfahren würden und deswegen wollte ich Anfang dieses Monats so viel wie möglich an Daten sammeln. Abgesehen davon findet am 15 Januar die geschlossene Fangsaison bis zum 15 März statt. Also war Anfang Dezember und Anfang Januar meine letzte Chance richtig viele Daten für meine Masterarbeit zu sammeln. Und ich hatte Glück, die Fischer waren enthusiastisch und wir konnten zusammen (damit meine ich immer mich, André und meinem Assistenten Enier) jeden Tag Fänge von ungefähr 2 bis 3 Boten bemessen. Es war zwar immer noch nicht viel was gefangen wurde, aber immerhin genug damit ich eine ordentliche Menge an Fangdaten für meine Arbeit hatte. Wir blieben das Wochenende in der Bocana, sahen die Touristen kommen und gehen und arbeiteten weitere 5 Tage zusammen mit den Fischern. Wir gewöhnten uns wieder an das leben hier. Die Tage liefen so ab wie immer. Nur, dass wir diese mal vollkommen gesund waren 😀 und das dörfliche Leben hier in der Bocana wirklich genossen.

Arbeiten in der Bocana

Arbeiten in der Bocana

Shrimps messen

Shrimps messen

André und Enier, über dem letzten Schleppnetz Fang des Tages

André und Enier, über dem letzten Schleppnetz Fang des Tages

Sonnenuntergang am Fischer Strand

Sonnenuntergang am Fischer Strand

Am zweiten Freitag mussten wir dann mit dem Boot zurück nach Buenaventura zum Ministerio de Migración. Unser Visum musste verlängert werden. Man darf in Kolumbien insgesamt 180 Tage im Jahr bleiben. Aber bei Ankunft kriegt man nur einen Stempel im Pass für 90 Tage. Das hieß also, wir mussten in Buenaventura einen neuen Stempel für weitere 90 Tage bekommen. Und so einfach wie dies klingt war es auch, wir waren direkt dran, mussten ein Blatt mit mit ein paar Daten über uns ausfüllen und 90€ zahlen.
Da wir die Fahrt nach Buenaventura ausnutzen wollten, hatten wir geplant über das Wochenende nach San Cipriano zu fahren. Ein kleines Dorf am Fluss im Regenwald, ca. eine halbe Stunde mit dem Bus von Buenaventura entfernt.

Auf der "lancha" (Boot) nach Buenaventura

Auf der „lancha“ (Boot) nach Buenaventura

Buenaventura in Sicht!

Buenaventura in Sicht!

Der "muelle turístico" (Turisten Steg / Hafen) von Buenaventura

Der „muelle turístico“ (Turisten Steg / Hafen) von Buenaventura

In der Nähe vom Hafen fuhren wir für 2800pesos pro Person (ca. 1€) mit der Bus Linie 5 nach San Cipriano. Wir fuhren durch die Umgebung Buenaventuras und stellten wieder fest wie hässlich und zerstört manche Städte in Kolumbien waren. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen wie man in einer so stinkenden und heruntergekommenen Gegend freiwillig wohnen konnte, vor allem dann wenn das Paradies nur eine halbe entfernt war… Nach 20 Minuten kamen wir aus der Stadt heraus und es wurde es immer idyllischer. Ganz im Gegensatz zu den Städten Kolumbiens, war die Natur hier einfach atemberaubend.

Wir kamen in einem kleinen Dorf namens Córdoba an, am Ende dessen Zugschienen waren, auf denen die sogenannten Motobrujitas, in das Dschungeldorf San Cipriano fuhren. Die Motobrujitas waren im Grunde genommen ein Fuhrwerk, bestehend aus einem Brett, auf dem ein Motorrad Stand und ein paar Holzbänke. Und unter dem ganzen Gestell, oder dem Brett :P, waren 4 Räder geschraubt die genau auf die Schienen passten. Als ich die Motobrujitas sah, war ich erst etwas entsetzt. Wo waren wir hier wohl gelandet, und viel wichtiger; würden wir die Fahrt heil überstehen?

Auf der Motobruijta

Auf der Motobruijta

Die Fahrt kostete uns ca. 5500 Pesos pro Person (knapp 2€) und war ein wirkliches Abenteuer! Wir fuhren ultraschnell auf den Schienen entlang bis alle Häuser und das Dorf Córdoba weg waren. Um uns herum waren nur noch Palmen-wälder und dicke Vegetation zu sehen. Nach etwa 10 Minuten fing es an höllisch zu regnen. Der Regen war warm und eine willkommene Abwechslung zur stehenden Hitze. Ich versuchte erfolglos unsere Rucksäcke unter die Bänke zu schieben damit nicht all unsere Klamotten nass wurden und bemerkte nicht wie wir langsam stehen blieben. Eine weiter Motobrujita stand vor uns und wurde mit Säcken voll Steinen beladen. Somit konnten wir nicht weiterfahren, und mussten warten bis es wieder losging. André und ein kleiner Junge, der mit uns gefahren war, stiegen aus und packten mit an die Motobrujita vor uns zu beladen. Doch auf einmal kam André angerannt, scheuchte mich von unserer Motobrujita und hievte im selben Moment, zusammen mit unserem Fahrer und dem kleinen Jungen, unsere Motobrujita von den Schienen. Wir schafften es gerade noch in den Graben neben den schienen zu springen, als eine weitere Motobrujita mit voll Karacho in die mit Steinen beladene Motobrujita vor uns, raste. Es entstand ein lauter Knall, die Mopeds von beiden Motobrujitas flogen runter, die Steinsäcke flogen auch in alle Richtungen und es war ein riesen Kaos entstanden, mitten im strömenden Regen. Gottseidank wurde keiner schwer verletzt. Einer der typen, auf der Motobrujita die von hinten in uns reingerast kam, humpelte und der andere hatte eine riesen Beule am Kopf. Ich war geschockt und gleichzeitig war ich amüsiert, denn anstatt sich darum zu kümmern alles aufzuräumen und schnell aus dem Regen raus zu kommen, stritten sich erstmal alle darum wer der schuldige war. Ich dachte mir dass dies wohl noch eine Weile dauern könnte, nahm unsere Rucksäcke und versteckte sie unter ein paar Palmenblättern damit ich den Rest, an halbwegs trockenen Sachen, noch retten konnte.

Auf den Schienen von Córdoba nach San Cipriano

Auf den Schienen von Córdoba nach San Cipriano

Nach der Abenteuerlichen fahrt und vollkommen durchnässt waren wir glücklich in dem ersten Hotel (Hotel Carvajal) das wir in dem Dorf fanden, Unterschlupf zu finden. Der Kleiner Junge, namens Jaider, der mit uns auf der Motobrujita gefahren war, arbeitete am Wochenende immer in dem Hotel und hatte uns auf dem Weg schon einen guten Preis für ein Doppelzimmer gemacht (20.000 pesos = ca. 7€ die Nacht). Wir waren begeistert von der Gastfreundschaft die uns dort erwartete und André schloss sofort Freundschaft mit Jaiber, der uns die nächsten Tage die Umgebung zeigte und auf wunderschöne Touren durch den Dschungel mit Wasserfall und Lagunen nahm. Die Besitzer vom Hotel waren Kolumbianer vom Festland, hier in Kolumbien auch „Paisas genannt (ein interessantes Wort für Kolumbianer die von Bauern Familien abstammen, Weiß sind und irgendwo im inneren Kolumbiens leben). Ganz im Gegensatz zu den restlichen 454 Einwohnern von San Cipriano waren wir also in einem „Paisa hotel“ gelandet, in dem es Arepas und traditionelles essen gab und der Standard, was Sauberkeit usw. betraf, etwas besser war als in den üblichen Hotels am Pazifik. Und das Beste war; direkt hinter dem Hotel konnten wir in einem Glasklaren Fluss baden und wenn man den Fluss durch das Dorf hinauf lief konnte man auf Riesen Gummireifen den Fluss bis zum Hotel in ca. 1 Stunden runtergleiten. Auf dem Fluss fuhren wir manchmal durch sehr sehr enge und schnelle Strecken und manchmal auf entspannten weiten Strecken zwischen riesen Bäumen, Lianen und Vogelgezwitscher hindurch. Es war einfach magisch und wenn ich bis jetzt etwas empfehlen würde dann würde ich San Cipriano empfehlen! Nach dem Wochenende waren wir beide überglücklich und vollgetankt mit Energie um in der Bocana wieder zu arbeiten.

André und Jaider auf dem Balkon des Hotels

André und Jaider auf dem Balkon des Hotels

Der Garten von unserem Hotel

Der Garten von unserem Hotel

Idylle in San Cipriano

Idylle in San Cipriano

Mitten im Dschungel auf dem Weg zu dem Wasserfall

Mitten im Dschungel auf dem Weg zum Wasserfall

Mit den Gummireifen zum Fluss

Mit den Gummireifen zum Fluss

Auf den Weg zum Fluss

Auf den Weg zum Fluss

Und runter den Fluss :D...

Und runter den Fluss :D…

Rückweg, wieder auf de Motobrujitas und zurück nach Buenaventura

Rückweg, wieder auf die Schienen und zurück nach Buenaventura

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